Intuitives Essen gegen ein gestörtes Essverhalten

Wenn wir an den Begriff Essstörung denken, dann haben wir oft Bilder von extremen Fällen im Kopf: Magersucht, Bulimie und Fettsucht sind wohl die geläufigsten. Dabei ist ein gestörtes Essverhalten auch in sehr viel milderen Formen vorzufinden, die wir auf dem ersten Blick als gar nicht so schlimm oder gar krankhaft empfinden würden. Sie kommen sogar so häufig vor, dass wir sie bei uns selbst und vielen anderen Menschen beobachten können, ohne uns dessen bewusst zu sein.

Die Dunkelziffer der essgestörten Menschen ist also sehr viel höher als wir wahrnehmen und allzu oft sind ist der Beginn dieser Erkrankung gar nicht exakt nachzuverfolgen, denn oftmals fängt es schon mit kleinen Verzichten oder einer Diät an und entwickelt sich erst schleichend. Das führt dazu, dass wir nichts dagegen unternehmen und es als normales Essverhalten betrachten. Wenn so viele es machen, wie kann es dann auch falsch sein? Diese Problematik wächst jedoch mit dem zunehmenden Angebot an Diäten, Ernährungsplänen und Fitnessprogrammen und kann bedrückende Konsequenzen mit sich bringen, die sowohl den Körper als auch dem eigenen Wohlbefinden schaden.

Der K(r)ampf mit dem Essen – was bedeutet eigentlich essgestört?

Gestörtes Essverhaltenv

Africa Studio | Shutterstock.com

Statt locker mit Nahrungsmitteln umzugehen und sich ohne viel Grübelei zu ernähren und das zu Essen, worauf man gerade Lust hat, wird die eigene Ernährung ein verkrampfter Kraftakt. Was soll ich essen? Wieviel darf ich essen? Wann? Wie oft? Diese Fragen verunsichern und es macht sich Unwohlsein breit. Schlimmstenfalls kann es auch zu einer schieren Angst vor einer Zunahme kommen, sobald man dieses oder jenes Gericht isst. Man will nichts falschmachen und fragt sich andauernd, ob man gerade das richtige tut.

Es fängt schon im Supermarkt mit der Wahl der Lebensmittel an. Man achtet penibel auf die Nährstoffe, Kalorien und regt sich hinterher auf, falls es doch ein ‚ungesundes‘ Lebensmittel in den Einkaufswagen geschafft hat. Beim Kochen wollen wir nichts falsch machen und versuchen gewissenhaft die Rezepte nachzukochen, die wir in stundenlanger Suche mühsam recherchiert haben. Während des Essens stellen wir fest, dass wir das Essen nicht mögen, es aber trotzdem irgendwie ‚hinter uns bringen‘ müssen.

Denn es sei ja gesund oder besonders kalorienarm. Und auch nach der Mahlzeit – selbst Stunden später – können wir nicht aufhören ans Essen zu denken. Das schlechte Gewissen kann sich auf Vieles beziehen: Man glaubt, dass man zu viel gegessen hat. Oder man ärgert sich, dass man nicht etwas ‚Gesundes‘ verzehrt hat. Manch einer ärgert sich sogar über den Zeitpunkt. Was auch immer der Grund ist: Es belastet einen sowohl mental als auch körperlich.

Wie ein gestörtes Essverhalten entstehen kann

Es gibt viele Ursachen, die zu Essstörungen führen. Sie alle haben allerdings etwas gemeinsam: Man erkennt sie meist erst hinterher, wenn man schon mitten drin steckt.

Psychische Gründe wie ein starker Drang nach Perfektion oder ein vermindertes Selbstwertgefühl, die wiederum vielfältige Ursachen haben, können beispielsweise ein Auslöser sein. Bereits als Kind kann sich so eine Essstörung herausbilden, die erst einmal unerkannt bleibt. Häufig hat auch unsere Umwelt einen direkten Einfluss auf uns und verstärkt diese Tendenzen zusätzlich. Es liegt in der Natur des Menschen, sich ständig in allen Lebensbereichen mit anderen zu vergleichen. Ein Aufwärtsvergleich mit Personen die wir idealisieren, wie etwa Models in der Werbung oder die beste superschlanke Freundin, können auf Dauer zu einem veränderten Verhalten führen. Das Essen wird auf diese Weise schleichend als unser Gegner angesehen. Wir nehmen dementsprechend Maßnahmen vor, die alles andere als natürlich sind.

Warum Diäten es nur noch schlimmer machen

Eine dieser unnatürlichen und doch populärsten Methoden ist die Diät. Kein Tier würde je auf die Idee kommen eine Diät zu machen (außer es bestehen gesundheitliche Gründe, die es vom Essen abhalten) und das hat seinen guten Grund: Der Verzicht auf Nahrung bringt zwangsläufig auch Probleme mit sich – sowohl mental als auch physisch.

Verzichtet man z.B. auf Kohlenhydrate, hat man schnell mit Heißhunger und Fressattacken zu kämpfen, denn Kohlenhydrate sind unser schnellster Energielieferant. Aber auch der Verzicht auf Fette, Proteine etc. hat Auswirkungen auf unseren Körper, die uns belasten. Die Rede ist nicht nur von körperlichen, sondern auch von seelischen Problemen. Wir verlieren das Vertrauen in unseren Körper und in uns selbst, weil wir offensichtlich keine Kontrolle mehr über ihn haben. Uns plagt das schlechte Gewissen, wenn wir eine Fressattacke hatten oder etwas gegessen haben, das wir doch eigentlich nicht mehr zu uns nehmen wollten. Das Selbstwertgefühl sinkt zunehmend und kann uns dazu bringen in unserer Ernährungsweise noch radikaler zu werden, um unseren vermeidlichen Mangel an Kontrolle auszugleichen. Dass der Körper einfach nicht auf Verzicht programmiert ist und dagegen ankämpft, bleibt vielen verborgen.

Doch nicht nur wir selbst gehen immer mehr bis ans Äußerste, auch unser Körper fährt die Geschütze hoch; oder im Falle des Stoffwechsels runter, denn der versucht wiederum den Mangel an Nahrung durch die eigene Langsamkeit zu kompensieren. Ein sogenannter Hungerstoffwechsel tritt ein. Man hat vielleicht vorher erfolgreich Gewicht verloren, aber dafür auch Muskelmasse eingebüßt. Fatal, denn Muskeln verbrauchen viel Energie und jetzt, da sie nicht mehr da sind, gibt sich der Körper auch mit weniger Nahrung zufrieden. Es stellt sich also entweder der berühmt berüchtigte Jojo-Effekt ein und man nimmt wieder zu, sobald man wieder anfängt, sich nach der Diät wie gewohnt zu ernähren, oder man nimmt als Reaktion noch weniger Nahrung zu sich. So entsteht ein Teufelskreis, aus dem man nur schwer wieder herauszukommt, denn zunehmen und seinen Erfolg zunichtemachen will man ja auch nicht.

Wie Du Schritt für Schritt diesem Teufelskreis entkommst

Die Warnsignale Deines Körpers sind nicht die einzigen Signale, die er Dir gibt. Du musst nur erst wieder lernen die Signale a) zu erkennen, b) zu wissen, was sie bedeuten und c) ein Gefühl dafür kriegen, wie Du korrekt darauf reagierst.

Dazu ist es wichtig, dass Du Hunger auch als echten Hunger erkennst und dann auch isst. Menschen, welche mit Fettleibigkeit zu kämpfen haben, können ihn oftmals nicht von Appetit unterscheiden und schlagen schnell über die Stränge. Andere haben dagegen gelernt den Hunger zu ignorieren und essen gar nicht erst.

Beides ist falsch!

Denke nicht mehr an Verbote oder Regeln, die Dein konkretes Essverhalten regulieren sollen. Konzentriere Dich lieber auf Deinen Körper und lerne intuitiv zu essen. Das kostet Zeit, denn das muss erst eingeübt werden. Ohne Anleitung fällt das überwiegend schwer, denn wer einmal ein gestörtes Essverhalten erlernt hat, weiß oftmals nicht mehr, was überhaupt normales Essverhalten ist und kommt nur schwer aus diesem Teufelskreis wieder heraus. Programme wie das von Intueat sollen Dir als Wegweiser dienen, um dem Teufelskreis zu entkommen und dabei nicht wieder in alte Gewohnheiten zu verfallen.

Wenn man das geschafft hat, kann man sich um die wahren Ursachen kümmern. Andernfalls kann es passieren, dass man dennoch in alte Muster verfällt. Finde daher heraus, was Du am Anfang wirklich mit Deinem Essverhalten erreichen wolltest. Schön sein um jeden Preis? Anerkennung und Selbstbewustssein? Den Mann Deiner Träume erobern? Besser sein als Deine Freunde und Bekannten? Dahinter steckt noch mehr, denn all diese Dinge sind nur Mittel zum Zweck, um einen anderen bestimmen Wunsch in Dir selbst zu befriedigen. Das Gespräch mit guten Freunden oder der Familie kann Hinweise darauf geben, aber auch die professionelle Hilfe von Psychologen ist keine Schande. Im Gegenteil, ihr äußerer Blick und die erlernten Fachkenntnisse können vor allem bei tiefsitzenden Problemen, die bereits länger bestehen, von wahrem Nutzen sein.

Sei bereit für Veränderungen und lerne Dich selbst und Deinen Körper besser kennen, denn dann wird es Dir auch leichter fallen, Deine Wünsche und Ziele in die Tat umzusetzen.

Jetzt mehr erfahren

Du hast keine Lust mehr auf Low-Carb und Punktezählen?

Dann erfahre jetzt mehr über intuitives Essen und lerne mit Deinem Körper zu arbeiten statt gegen ihn.
Jetzt mehr erfahren